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Die Krisenkommunikation der Bundesregierung

Der Astra-Zeneca-Impfstoff kommt nicht raus aus den Schlagzeilen. Nach Lieferschwierigkeiten und Wirksamkeitsdebatte steht Astra-Zeneca nun unter dem Verdacht Sinusvenenthrombosen zu verursachen.

Letzte Woche hatte es noch geheißen, der Impfstoff sei ungefährlich und die Impfung für Menschen ab 60 Jahren wurde befürwortet und durchgeführt. Zum Beginn dieser Woche setzte Jens Spahn die Impfung dann schlagartig aus. Nach der gestrigen Stellungnahme der Europäischen Arzneimittelagentur werden die Impfungen nun wieder aufgenommen.

Auch in Berlin mussten 6.000 Impftermine abgesagt werden. Der Grund: Unter 1.6 Millionen Impflingen traten in 13 Fällen seltene Hirnblutungen auf; drei Menschen verstarben. Diese Warnung des Paul-Ehrlich Instituts ist ernst zu nehmen, vollumfänglich aufzuklären und in Zukunft genau zu beobachten.
Der deutschlandweite Impfstopp war jedoch eine politische Entscheidung und dazu eine sehr unglückliche.
Statistisch haben die Astra-Zeneca-Impfungen bereits tausenden Impflingen das Leben gerettet und zeitgleich zum wirksamen Kampf gegen das Virus beigetragen. Eine Alternative Vorgehensweise wäre daher gewesen die Risiken transparent zu machen und deutlicher vor den eventuellen Gefahren zu warnen. Diese Haltung vertritt auch die Europäische Arzneimittelagentur, welche empfiehlt den Impfstoff mit entsprechender Risikoaufklärung weiter zu verimpfen. Die kaum zurückgegangene AstraZeneca-Impfbereitschaft verdeutlicht den verantwortungsvollen Umgang der Bevölkerung. Sehr begrüße ich daher Berlins schnelle Wiederaufnahme der Impfungen – ausgefallene Termine können bereits ab heute unbürokratisch nachgeholt werden.

Zwischen staatlicher und individueller Verantwortung abzuwägen ist nicht einfach – offene Kommunikation und Transparenz ist dabei entscheidend. Doch die Kommunikation und das Handeln des Bundesgesundheitsministers sind genau das Gegenteil. Das Herumrudern wirkt hilflos und zeugt von fehlender Expertise - Probleme und Verzögerungen gehören inzwischen leider zum Alltag.
Es braucht nun endlich sinnvolle Strategien, eine transparente Kommunikation sowie die versprochenen Schnelltests und Impfungen.
Auch Nichtstun ist Entscheidung und diese kostet jeden Tag Menschenleben.